Kinderherzen verstehen – Der Blog von Mimi Geschichten für Kinderherzen
Enuresis diurna et nocturna
(Einnässen am Tag und in der Nacht)
💧 Warum ADHS-Kinder & autistische Kinder davon häufiger betroffen sind
Einnässen – tagsüber oder nachts – ist keine Frage von Faulheit, Trotz oder fehlender Erziehung.
Bei vielen Kindern mit ADHS oder im Autismus-Spektrum hat die Diagnose Enuresis diurna et nocturna ganz reale neurologische und körperliche Ursachen.
🔹 Reizverarbeitung & Körperwahrnehmung
Viele neurodivergente Kinder nehmen Körpersignale verzögert oder anders wahr.
Der Harndrang wird oft erst dann gespürt, wenn es eigentlich schon sehr dringend ist – oder gar nicht rechtzeitig.
🔹 Schlaf & Tiefschlafphasen
ADHS- und autistische Kinder schlafen häufig sehr tief oder haben einen veränderten Schlafrhythmus.
Das Gehirn schafft es nachts nicht immer, das Signal
„Blase voll – bitte aufwachen“
weiterzuleiten.
🔹 Gehirnsteuerung & Impulskontrolle
Die Zusammenarbeit zwischen Blase, Nervensystem und Gehirn ist bei ADHS oft noch unreif oder verzögert – völlig unabhängig vom Alter oder der Intelligenz des Kindes.
🔹 Stress & Überforderung
Reizüberflutung, Schulstress, emotionale Anspannung oder Veränderungen können das vegetative Nervensystem zusätzlich belasten – und damit auch die Blasenkontrolle.
👉 Wichtig:
Enuresis diurna et nocturna ist kein Versagen des Kindes.
Sie ist ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem noch Unterstützung braucht.
💛 Was Kinder jetzt brauchen:
Verständnis statt Scham
Ruhe statt Druck
Begleitung statt Bestrafung
Mit Geduld, medizinischer Abklärung und liebevoller Unterstützung wächst sich Enuresis bei vielen Kindern mit der Zeit von selbst aus.
🧠 Neurodiversität bedeutet nicht „defekt“.
Sie bedeutet: anders organisiert.
👀 Blickkontakt – kein Ausschlusskriterium für Autismus
Immer wieder liest man in Berichten oder hört es in Gesprächen mit Ärzten oder Pädagogen:
> „Das Kind hält Blickkontakt – also kann es kein Autist sein.“
Doch das ist längst überholt.
Der Blickkontakt allein sagt nichts über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer Autismus-Spektrum-Störung aus.
Viele autistische Kinder (und Erwachsene) lernen, Blickkontakt zu imitieren oder kurz herzustellen –
nicht, weil es ihnen leichtfällt, sondern weil sie wissen, dass es erwartet wird.
Dieser Blickkontakt kann jedoch hohe Anstrengung bedeuten und führt häufig zu Stress, Überforderung oder Reizüberflutung.
Es geht also nicht um das Ob, sondern um das Wie und Wie lange:
Wie fühlt sich der Blickkontakt an?
Ist er natürlich oder erlernt, spontan oder kontrolliert?
Diese Unterschiede erkennt man nur, wenn man hinschaut, ohne zu bewerten.
Blickkontakt ist kein Beweis für oder gegen Autismus –
sondern ein Ausdruck individueller Wahrnehmung.
Und genau das sollten Diagnostik und Pädagogik ernst nehmen. 💙
🌈 Essensselektivität bei Autismus & ADHS – und was du tun kannst
Viele Kinder im Spektrum oder mit ADHS essen nur sehr wenige Lebensmittel.
Nicht, weil sie „wählerisch“ sind.
Sondern weil ihr Gehirn und ihr Nervensystem anders arbeiten.
Auch mein Sohn ist davon betroffen.
Unser Alltag hat mir gezeigt, wie herausfordernd Essen für Kinder sein kann, die Reize viel intensiver wahrnehmen.
Gerüche, Konsistenzen, Farben, Geräusche beim Kauen – all das kann überwältigend sein.
Essen wird dann nicht zur Routine, sondern zur täglichen Mutprobe.
💛 Was du tun kannst:
✨ 1. Druck rausnehmen
Zwang verschlimmert die Abneigung. Sicherheit ist wichtiger als Vielfalt.
✨ 2. Gewohnte Strukturen anbieten
Routinen, gleiche Teller, gleiche Umgebung – das reduziert Reizüberflutung.
✨ 3. Neue Lebensmittel nur in Mini-Schritten
Nicht gleich „probieren müssen“, sondern erstmal sehen, riechen, anfassen dürfen.
✨ 4. Konsistenzen beachten
Viele Kinder reagieren eher auf die Textur als auf den Geschmack.
Püriert, knusprig, weich – kleine Variationen können Wunder wirken.
✨ 5. Vorlieben ernst nehmen
Wenn ein Kind nur 5–10 sichere Lebensmittel hat, sind diese zunächst wichtig für Stabilität.
✨ 6. Positives Modell sein
Ruhiges Vorleben funktioniert besser als „Iss doch mal!“.
✨ 7. Gemeinsam statt gegeneinander
Essen darf Verbindung sein, kein Kampf.
Essensselektivität ist kein Trotz.
Es ist ein Zeichen dafür, dass ein Kind seine Welt anders wahrnimmt – intensiver, mutiger, sensibler.
Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Verständnis hilft mehr als jede Strategie. 🌿
Wenn Kinder erst zu Hause „explodieren“ 🧡
Manche Kinder halten den ganzen Tag durch.
In der Schule.
Im Kindergarten.
Bei anderen.
Sie passen sich an.
Sie reißen sich zusammen.
Sie funktionieren.
Und dann kommen sie nach Hause.
Und alles bricht raus.
😔 Wut.
😢 Tränen.
😡 Explosionen wegen Kleinigkeiten.
Das ist kein schlechtes Benehmen.
Das ist Erschöpfung.
🧠 Diese Kinder haben ihre Gefühle lange kontrolliert.
Zu lange.
Zu leise.
Zu stark.
Zuhause fühlen sie sich sicher genug,
um loszulassen.
Um nicht mehr zu maskieren.
Um sie selbst zu sein.
💛 Das heißt nicht, dass ihr etwas falsch macht.
Im Gegenteil.
Es heißt, dass euer Zuhause ein sicherer Ort ist.
Diese Kinder brauchen nach außen keinen strengeren Rahmen.
Sie brauchen nach innen:
– Verständnis
– Ruhe
– Zeit zum Runterkommen
Und manchmal einfach jemanden,
der sagt:
„Du musst jetzt nichts mehr schaffen.“ 🤍